Ayurveda Basics

AGNI – Wer oder was ist das überhaupt?

AGNI kannst du mit „Verdauungsfeuer“, „Lebensenergie“ oder „Feuer des Lebens“ übersetzen. Es ist in jeder Zelle vorhanden und für jede unserer Lebensfunktionen – den gesamten Stoffwechsel, den Verdauungs-/Ausscheidungsprozess sowie die Zellerneuerung – unentbehrlich.


„AGNI ist das, welches all das, was nicht du bist, zu dir macht.“

Original-Übersetzung von AGNI

Stell dir dein AGNI gern wie ein Lagerfeuer vor. Dieses Feuer brennt in dir und hält dich am Leben. Es spaltet deine Nahrung in Nähressenz. Es baut deine Zellen und Gewebe auf. Und es schafft Abfälle raus aus deinen Körper. Produziert wird dein AGNI vom Pitta. Der Hauptsitz ist im Oberbauch.

Dieses Feuer dürfen wir hüten wie das „Ewige Licht“. Denn es ist verantwortlich für unsere Lebensenergie, für unsere Lebenslänge, unsere Gesundheit, Immunität, Stärke, Begeisterungsfähigkeit und unseren Glanz. Ohne Hitze und AGNI kein Leben.


„Erlischt dieses AGNI, so stirbt man, arbeitet es richtig, so lebt man lange frei von Krankheit, ist es gestört, so erkrankt man – daher wird AGNI als Wurzel von allem bezeichnet.“

Charaka-Samhita, Ci.XV.3f.

Bei einigen von uns brennt das Feuer etwas besser als bei anderen. Bei einigen brennt es zu stark, bei anderen ist es zu schwach oder es brennt zu ungleichmäßig. All dies kann Ungleichgewichte im gesamten Stoffwechsel verursachen. Ziel ist es, dass es perfekt brennt, zu den richtigen Zeiten und in der richtigen Stärke. Nicht zu heiß und nicht zu kalt.

Brennt dein AGNI beispielsweise gleichmäßig, dann wird es von einer unangemessenen Ernährungsweise wenig beeinträchtigt. Brennt dein AGNI jedoch zu schwach, dann kann nur eine sehr ausgesuchte Diät Stabilität bringen.

Unser Stoffwechsel wünscht sich vor allem diese Stabilität und Gleichmäßigkeit. Das Auftreten von toxischen Verdauungsrückständen sowie Schadstoffen sollte soweit wie möglich reduziert werden. Auch darum kümmert sich unser AGNI, wenn wir uns gut um unser AGNI kümmern. Ist das AGNI im Gleichgewicht, dann können sich keine Giftstoffe (hier sprechen wir vom sogenannten AMA = „Unverdautes“, „Ungekochtes“) im Gewebe festsetzen. Sie werden stattdessen gelöst und ausgeschieden.

Vom AGNI selbst gibt es wiederum 3 Unterarten (Jathragni, Bhutagni und Dhatvagni), die sich darum kümmern, dass die Nahrung richtig gespalten, verdaut, resorbiert, getrennt, umgewandelt und zersetzt wird. Und die Nährstoffe letztendlich auch wirklich da ankommen, wo sie im GEWEBE benötigt werden.


„Du bist das, was du verdaust.“

Grundsatz der ayurvedischen Ernährungslehre

Oberste Priorität ist es also, dass wir für ein kräftiges Verdauungsfeuer sorgen. Stell dir dein Lagerfeuer wieder vor. Mit deinem AGNI verhält es sich ähnlich. Es braucht Anmachholz, um es zu entzünden. Der Ayurveda verwendet hier Gewürze als Anmachholz. Legen wir nun zu viel oder unverdauliches Holz (Mahlzeiten) rein, wird das Feuer unterdrückt. Legen wir zu wenig oder nasses Holz rein, ist das Feuer nicht stark genug und kann kein Licht und Wärme erzeugen.

Morgens ist unser AGNI noch sehr schwach. Wenn wir direkt mit einem ausgiebigen und üppigen Frühstück starten, bevor das Verdauungsfeuer so richtig lodert und dies dann auf unser Lagerfeuer „werfen“, geht das Feuer einfach aus, es erstickt regelrecht.

Darum ist es so wichtig, morgens nach dem Aufwachen direkt mit einer Tasse warmen Wasser oder Tee in den Tag zu starten. Dieses warme Wasser kurbelt nicht nur den Stoffwechsel an, sondern ist auch die „Dusche von innen“ und unterstützt deinen Körper dabei, die Abfallstoffe vom letzten Abendessen auszuscheiden. Iss wirklich erst am Morgen, wenn du tatsächlich Hunger hast. Solange dein AGNI nicht bereit ist, solltest du mit dem Essen warten.


Wie bereits erwähnt, ist je nach Konstitutions-Typ und Gesundheitszustand das AGNI sehr unterschiedlich stark, schwach, regelmäßig oder unregelmäßig ausgeprägt. 

VATA-Typen haben ein eher schwaches und auch sehr schwankendes AGNI. Hier wechseln sich Verstopfung und Durchfall oft ab. Alles ist sehr unregelmäßig: der Hunger, das Essen, die Verdauung. Mal Heißhunger, dann wieder Mahlzeitenausfälle. Typische Symptome für VATA-Typen sind: Kältegefühle, vergisst oft das Trinken, Schwindelanfälle, niedriger Blutdruck, wenig Urin. AGNI-Störungen machen sich auch durch Schmerzen und Blähungen bemerkbar. 

WICHTIG: Wenn du ein VATA-Typ bist, dann brauchst du unbedingt Routinen und Rituale. Dein Körper möchte gern lernen, wann er Nahrung erwarten kann. Ein wärmendes, erdendes Frühstück, bspw. eine gebackene Süßkartoffel mit ayurvedischen Gewürzen, Quinoa oder ein Porridge wären deine richtige Wahl.


PITTA-Typen haben zwar ein starkes Verdauungsfeuer, können zwar fast alles verdauen und können auch mehrmals am Tag auf die Toilette gehen, ABER die super schnelle Verbrennung verhindert auch eine optimale Nährstoffaufnahme. Ein zu starkes AGNI lässt Pitta-Störungen auftreten (Entzündungen im Körper, extremer Hunger – vor allem auf Fleisch und scharfes Essen, Wutausbrüche, häufiger Stuhlgang und Harndrang, starke Körpergerüche, frühes Ergrauen und Haarausfall/ Glatze). AGNI-Störungen machen sich durch ein Brennen im Körper bemerkbar. 

WICHTIG: Wenn du ein PITTA-Typ bist, dann kannst du sehr gereizt darauf reagieren, wenn du auf dein Frühstück verzichten müsstest. Ein beruhigendes und kühlendes Frühstück ist deine optimale Wahl: bspw. ein Quinoa-Porridge, ein grüner Smoothie oder ein Porridge mit Beeren.


KAPHA-Typen haben ein schwaches AGNI und einen trägen Stoffwechsel. Typische Symptome: Schleimbildung der Bronchien, viel Hunger, Süßhunger, geringer Harndrang, dann aber viel Harn, Probleme beim Toilettengang, einmal Stuhlgang am Tag. AGNI-Störungen machen sich durch Übelkeit, Erbrechen und Schwere im Magen bemerkbar. 

WICHTIG: Wenn du ein KAPHA-Typ bist, dann hast du wahrscheinlich oft keinen Hunger auf Frühstück, bzw. fühlst du dich danach träge und schwer. Das beste für dich ist das Frühstück ausfallen zu lassen. Wenn du dann Hunger hast, dann iss etwas leichtes: Früchte, grünen Smoothies oder ein Oatmeal.


 AYURVEDA o‘clock⁣

Die Ayurveda-Uhr teilt den Tag in 6 Abschnitte, mit jeweils 4 Stunden-Blöcke ein. ⁣Auch diese hat Einfluss auf unsere Energie und AGNI. Zwischen 2-6 Uhr morgens und 14-18 Uhr nachmittags ist Vata-Zeit.⁣ Zwischen 10-14 Uhr und 22-2 Uhr ist Pitta-Zeit.⁣ Und zwischen 6-10 Uhr und 18-22 Uhr ist Kapha-Zeit.⁣

Das heißt, wenn wir morgens ab 6 Uhr aufstehen, dominiert bereits Kapha, egal, ob du jetzt vom Dosha her ein Kapha-Typ bist. Dein AGNI ist noch sehr schwach. Wir selbst fühlen uns auch träge, müde und energielos. ⁣Mit einer energetischen Morgenroutine kannst du hier deine Müdigkeit und Trägheit abschütteln. Oder du stehst bereits vor 6 Uhr auf, um direkt motiviert in den Tag zu starten. ⁣

Ab 10 Uhr dominiert Pitta. Hier hast du die meiste Energie und bist am Konzentriertesten. Dein Verdauungsfeuer brennt, deshalb wird zwischen 10-14 Uhr auch empfohlen, die Hauptmahlzeit des Tages einzunehmen. ⁣

Ab 14 Uhr kommst du dann in deine Vata-Zeit. In dieser Zeit sind wir am⁣ Kreativsten. Dennoch folgt am Nachmittag meist ein Nachmittagstief. Deshalb unbedingt an die frische Luft zum Spaziergang oder ab zum Sport bzw. Yoga. ⁣

Ab 18 Uhr dominiert wieder Kapha.⁣ Ab 22 Uhr dann wieder Pitta. Deshalb unbedingt vorher schlafengehen, sonst macht sich Hunger wieder bemerkbar. Und ab 2 Uhr morgens startet wieder die Vata-Zeit. ⁣


So kannst du dein AGNI stärken:

  • kleine Mengen essen
  • nicht ohne Appetit essen
  • Zwischenmahlzeiten meiden
  • zu den Mahlzeiten wenig/nichts trinken
  • langsam essen, gut kauen, kein Stress beim Essen
  • am Abend kalte Speisen meiden
  • Agni-anregende Gewürze integrieren: Ingwer, Kreuzkümmel, Senfsamen, Pfeffer, Steinsalz

Nur wenn unser AGNI ausgeglichen, nicht zu stark und nicht zu schwach ist, kann aus Nahrung Nähressenz und die Nährstoffe optimal verarbeitet werden. Wichtig für ein ausgeglichenes AGNI sind übrigens auch ein ausgeglichenes DOSHA und ausgeglichene Gefühle.